Angst vor Kupfer im Aquarium?

Vor- und Nachteile eines Spurenelements

Manche benutzen es zur Bekämpfung von Schädlingen!
 
Kupfer aus der Wasserleitung bedroht unser Hobby!
 
Ist Kupfer ein Segen oder ein Fluch der Aquaristik?
 
„Bei der Verwendung von Leitungswasser fürs Aquarium ist es wichtig, das Wasser schon an der Wasserleitung auf Kupfer zu testen. Bei einer Hausinstallation aus Kupferleitungen besteht die Gefahr, dass sich bei längeren Standzeiten des Wasser in den Hausleitungen Kupfer gelöst hat. Bereits geringe Spuren können für die Fische tödlich sein. Was dann zu tun ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Vor einigen Jahrzehnten besuchte ich einmal den Fischzüchter Seitz in Hannover-Linden, um günstig Fische zu kaufen. Damals war ich Lehrling und knapp bei Kasse. Ich bestaunte die vielen Aquarien voller Fische. In einem davon standen zwei große Kupferplatten. Auf meine Frage nach dem Wieso bekam ich zur Antwort, dass sie zur Bekämpfung von Hydra (Süßwasserpolypen) dienten. Überall dort, wo Jungfische mit Lebendfutter, speziell Artemia-Nauplien, gefüttert werden, siedeln sich bald massenweise Hydra an, fressen zunächst das Lebendfutter, dann die Jungfische. Als ich später zum Hobbyzüchter wurde, habe ich diese Plage gründlich kennen gelernt und mich mit verschiedenen Bekämpfungsmethoden beschäftigt. Dabei lernte ich auch die Tücken des Kupfer im Aquarium kennen.

Kupfer ist ein Gift !
 
In Wasser gelöstes Kupfer ist ein Gift für alle Organismen. Für den Menschen ist es relativ ungefährlich, da es als Brechmittel wirkt. Die üblichen Aquarienbakterien vertragen bis zu 1ppm Cu. Einzellige Algen (grüne Wasserblüte) sind empfindlich gegen die gleiche Konzentration. Feinfiedrige Pflanzen kann man mit einer Kupferung völlig vernichten. Von den Schnecken sind besonders die Apfelschnecken sehr empfindlich, außerdem die Posthornschnecke, Turmdeckelschnecken und die Blasenschnecken sind weniger kupferempfindlich. Grüne Hydra sind erheblich resistenter gegen Kupfer als braune und weiße. Besonders kupferempfindlich ist der Wasserfloh Daphnia pulex. Schon 0,1 ppm Cu bringen ihn in kurzer zeit um. Die meisten Süßwasserfische halten einen Tag lang 1ppm Cu aus. Das passiert ja bei der Oodiniumbekämpfung. Allerdings brachte ich einmal einen Schwarm Butis butis um, als ich Posthornschnecken bekämpfte. Das Herausfangen innerhalb von wenigen Minuten brachte keine Rettung mehr. Bis heute habe ich diese schöne Art nicht wiedergefunden.
Alle Angaben über die Toxizität (Giftigkeit) von Kupfer zu behandeln, wie unter dem Abschnitt Chemie des Kupfers noch abgehandelt wird.

Kupfer ist ein wichtiges Spurenelement

Alle pflanzlichen und tierischen Organismen benötigen geringe Mengen Kupfer. Pflanzen brauchen es für die Chlorophyllbildung sowie als Bestandteil mehrerer Enzyme. Außerdem ist es in allen Tieren enthalten. Der rote Blutfarbstoff mariner Krebse enthält Kupfer statt Eisen. Kupfermangel kann zu Krankheiten führen. Im Aquarium dürfte das nicht der Fall sein, da das Leitungswasser und das Futter stets kleine Kupfermengen enthalten. Auch in Aquariendüngern ist Kupfer enthalten. Kupfermangel ruft wie Eisenmangel oder Manganmangel Chlorosen hervor.

Zur Aquarienchemie des Kupfers

Kupfersulfat ist in weichem oder vollentsalztem Wasser recht gut löslich. Nimmt man jedoch hartes Wasser, so bildet sich neben einer schwach hellblauen Lösung ein blauweißer Schlamm aus Kupferhydroxid. Dasselbe passiert im Aquarium. Abhängig vom pH-Wert fällt das gelöste Kupfer aus. Bei pH-Wert7,0 bleiben nur 1,4 ppm Cu in Lösung, bei pH 6,0 schon 14 ppm, bei pH 8,0 nur 0,14 ppm. Enthält das Aquarienwasser Phosphat, so fällt das Kupfer teilweise oder ganz als Kupferphosphat aus. Enthält das Wasser natürliche Chelatoren, wie Huminsäuren, oder künstliche Chelatoren, wie EDTA, so halten diese das Kupfer teilweise in Lösung. Das chelatisierte Kupfer hat eine erheblich reduzierte Toxizität, z.B. gegen Daphnien ist das Cu-EDTA-Chelat nur ein Hundertstel so giftig wie das Kupfer. Handelsübliche Aquarientests für Kupfer messen das gelöste und das schwach chelatisierte, wie z.B. das an Huminsäuren gebundene. Das ausgefällte Kupferhydroxid bzw.-phosphat bleibt im Filter, im Mulm, auf der Dekoration.
Setzt man ein Kupferpräperat in der vorgeschriebenen Dosierung zu, so führen die beschriebenen Effekte meisten in kurzer Frist zu einer rapiden Senkung der Kupferkonzentration im freien Wasser. Das erzwingt Nachdosierungen, um die beabsichtigte Wirkung herbeizuführen. Will man durch Wasserwechsel die Kupferkonzentrtion senken, so gelingt das nur kurzfristig. Einen Tag später ist die ursprüngliche Konzentration wieder da. Aus dem Depot des ausgefällten Kupfers hat es sich zurückgelöst.
Stellt man eine blanke Kupferplatte ins Aquarium, so geht langsam Kupfer in Lösung. Bei einer Hydrabekämpfung wartet man so lange, bis die Tiere abfallen, dann nimmt man die platte heraus und reinigt den Filter. Hier har sich das meiste Kupfer angesammelt. Diese Art von Kupferung erfordert bei hartem Wasser sehr viel Geduld. Anderseits ist die Verschmutzung des Aquariums mit Kupfer hierbei am geringsten, wenn nach der eingetretenen Wirkung die Platten entfernt werden.
Will man gelöstes Kupfer ohne totalen Wasserwechsel aus dem Becken entfernen, so kann man Eisenchloridlösung in das Aquarium tropfen. (Achtung! Bei diese Methode wird Karbonathärte beseitigt!) Das ausfallende Eisenhydroxid reißt Kupfer mit. Anschließend muss nur noch der kupferhaltige Schlamm aus dem Filter entfernt werden.

Kupfer und Bakterien

Bakterien reichern wie die höheren Pflanzen alle Schwermetalle an, und zwar weit über den Eigenbedarf hinaus. Klärschlamm aus kommunalen Kläranlagen enthält deswegen fast die gesamten Schwermetalle, die in die Kläranlage hineingeraten. Im Aquarium ist das genauso. Die in Frage kommenden Bakterienarten sind erstaunlich tolerant, z.B. gegen Kupfer. Führt man im Aquarium eine Kupferbehandlung durch, so muss man die beiden letzten Abschnitte berücksichtigen. Bakterien speichern so lange gelöstes Kupfer, bis es kaum noch nachweisbar ist.

Kupfer im Meereswasser

Im Seewasser werden kupferhaltige Präparate zur Bekämpfung von Oodinium benutzt. Kupfer kann außerdem aus dem Leitungswasser oder durch Korrosion von Kupfer- oder Messingarmaturen ins Wasser gelangen. Hier stört es niedere Tiere zahlreicher Arten im Wachstum. Mit der Kupferentfernung hat sich Uwe Richter vom Troparium Hagenbeck in Hamburg befasst. Er stellte fest, dass die Mitreißfällung mit Eisenchlorid nur vorübergehend Abhilfe brachte. Einen Tag später war wieder Kupfer zurückgelöst! Erst der Einsatz einer Kationentauscherpatrone in der Magnesiumform brachte Abhilfe!

Kupfer im Leitungswasser und seine Beseitigung

Trinkwasserleitungen in Neubauten bestehen seit Jahrzehnten aus Kupfer. Füllt man die Badewanne, so sieht das Wasser blau aus. Die Kaltwasserleitungen bedecken sich mit den Jahren mit einer basischen Kupfercarbonatschicht, die die Korrosion etwas abbremst. Trotzdem können die ersten paar gezapften Liter am Morgen mehr Kupfer enthalten, als die Löslichkeit des Kupferhydroxids eigentlich zulässt. Möglicherweise handelt es sich hier um suspendiertes Kupfersalz. In kritischen Fällen sollten die ersten fünf Liter nicht genutzt werden! Schlimm ist es in Warmwasserleitungen, Boilern oder Speichern. Hier habe ich schon Werte von 2-5ppm Cu gefunden, auch dann, wenn ich vorher 10 Liter verworfen hatte. Nach einem Wasserwechsel aus einer Warmwasser-Ringleitung brachte ich Fische, Pflanzen und Schnecken eines Kleinaquariums am Arbeitsplatz um. Das hat mich so betroffen gemacht, dass ich seitdem am Arbeitsplatz kein Aquarium mehr betreibe. Zu Hause benutze ich fast ausschließlich kaltes Wasser zum Teilwasserwechsel. Außerdem werden neue Aquarien mit reichlich Bakterienschlamm beimpft, so dass sofort eine hohe Reinigungsleistung installiert ist.
Aquaristik im Neubau ist nur möglich, wenn kupferbindende Wasserpflegemittel (Duplagan) benutzt werden, wenn Eisenchlorid zur Vorbehandlung benutzt wird, wenn EDTA (ca.20ppm) zugesetzt wird oder wenn das Wasser über Enthärtungsfilter in der Calciumform gefiltert wird. Die Benutzung von Revers-Osmose-Wasser ist hier nicht sinnvoll, da man schließlich auf die anderen Wasserinhaltsstoffe außer Kupfer angewiesen ist.

Kupfer und Schnecken

Den Schnecken zuliebe benutze ich kein Kupfer mehr in meinen Aquarien. Nur mein Aquariendünger ist etwas kupferhaltig, damit die höheren Pflanzen und Bakterien gut gedeihen.
Die Apfelschnecke hat sich bei mir als die empfindlichste Art erwiesen. Erst in der letzen Zeit, wahrscheinlich wegen meiner Kupfer-Abstinenz, pflege ich sie erfolgreich. Andere Schneckenarten z.B. die Blasenschnecke Physa fontanilis oder die Eiformige Schlammschnecke Radix ovata, sind vermutlich toleranter gegen Kupfer als die erstere. Seitdem ich gelernt habe, diszipliniert zu füttern, gibt es Schneckenüberschüsse nur noch in den reichlich befütterten Nachzuchtbecken. Hier erfüllen sie eine wichtige Funktion, nämlich die Reinigung des Beckens von Nahrungsüberschüssen und Fischkot. Sie nehmen mir die Arbeit ab. Dafür werden sie auch gehegt. Die beim Wasserwechsel abgesaugten Exemplare werden natürlich wieder zurückgesetzt!
Die Hydrabekämpfung habe ich längst von Kupfer auf Formalin umgestellt. Ein Tropfen 405 auf einen liter Wasser, dazu kräftige Belüftung! Der Sauerstoffverbrauch des bakteriell abgebauten Formalins würde sonst die Fische umbringen. Zur Not muss diese Behandlung noch ein- oder zweimal wiederholt werden.

Fazit

Meerwasseraquarianer sollten Kupfer meiden, als Behandlungsmittel gegen Oodinium nicht in einem Becken mit niederen Tieren, keine metallischen Armaturen, kein Kupfer im Zusatzwasser. Ist mit dem sehr empfindlichen DUPLA - Test Kupfer nachweisbar, so ist mit Problemen zu rechnen.
Der Süßwassser – Aquarianer sollte sich vor warmen Wasser hüten. Es kann sehr gefährlich sein. Zeigt der Test 0,1 ppm oder mehr an, so sind Maßnahmen gegen das Kupfer zu ergreifen (siehe oben).“
Dieser Beitrag ist von Dr. Gerd Kassebeer verfasst und in der Zeitschrift „Aquarium heute 3/93“ nachzulesen.